so weit die füsse tragen…

kraeuterling 24. Juli 2008

um sich etwas in ferienstimmung zu bringen hatte sich der kraeuterling in saas fee im “ferien art 5 stern resort” einquartiert. dort genoss er das volle luxus verwöhnprogramm mit champagnerfrühstück, mittags snack und à la cart abendessen in wahlweise 4 verschiedenen restaurants.  nach einigen tagestouren, welche körper und geist schon mal auf bevorstehendes einstimmen sollten gönnte sich der kraeuterling am donnerstag einen letzten ruhetag.

ab freitag absolvierte ich dann das verschärfte wanderprogramm, welches jeden jakobspilgerer schon vor der mittagsandacht zum kolabieren gebracht hätte…

montag, 14. juli 08:

anreise mit bahn und bus ins autofreie sass fee. da das schmuke dorf auf einem hochplateau ( 1809 m. ü. m.) eingekesselt von bergen und gletscher liegt ist der ausblick in die ferne etwas eingeschränkt. nach einem ersten erkundungsspatziergang durchs dorf war die dienstagstour schon bald bestimmt und ich konnte mich beruhigt und zufrieden dem abendessen zuwenden. eine superheftig stinkende gorgonzolapizza mit zwiebeln und ein teller salat vom buffet sollten den kraeuterling in höheren sphären begleiten.

dienstag, 15. juli 08:

nach einem ausgiebigen frühstück, das bis zum abend hin halten musste packte ich das kleine gepäck und machte mich  über die gletschergrotte zum aufstieg zum spielboden und von dort hinauf  zur bergstation längflue (2869 m. ü m.). umgeben vom feegletscher pickte ich mein studentenfutter und genoss den stahlblauen himmel und die starke sonne, welche mir so richtig gehörig den nacken verbrutzeln sollte (garpunkt “bien cuit” war bereits nach einigen stunden schmerzlichst erreicht…). natürlich bot sich die walliser natur von ihrer schönsten seite, neben der eindruksvollen gletschereiswelt  und der wundervollen alpen flora präsentierte sich auch die tierwelt von der besten seite. so konnte man sicher 50 verschieden schmetterlingsarten beobachten, in allen farben und formen flatterten sie einem um den kopf. höhepunkt aber war für mich die begegnung mit einem murmeltier, welches sicher nicht zum ersten mal einen wandere gesehen hatte. genüsslich sonnte es sich auf einem kleinem hügelvorsprung im gras, langsam schlich ich mich näher bis ich auf ca. 3 meter herangekommen war.  als es mich und meine kamera bemerkt hatte drehte es sich zu mir um und begann mit einer grazielen art auf profesionelle weise zu posieren. natürlich in der hoffnung etwas von meinem tutti frutti abzubekommen, diese erwartungen wurden jedoch jäh zerschlagen als ich mein wärchen packte und mich weiter den berg hinaufkämpfte…

bevor all die bergbahnfahrenden senioren, familien und japaner den längfluehgrat in beschlag nahmen war der kraeuterling schon wieder auf dem abstieg und verbrachte den nachmittag in dorf in einer gartenbeiz bei nicht zu knapp cola light und einem boulevardblatt, welches jedoch meinen intelekt nicht zu heben vermochte…

der abend wurde mit einem kinobesuch abgerundet, no country for old men, ein wirklich schräger film, der die bergbevölkerung von sass fee nicht wirklich zu locken wusste. aber eine privatvorstellung ist doch auch ganz nett…

mittwoch, 16. juli 08

um acht uhr machte sich der wandersmann auf den weg und erkletterte schon bald die bergstation plattjen (2559 m.ü.m.). nach einer kleinen erfrischung traversierte der kraeuterling durch den steilhang vorbei an saas almagell und fand sich schon bald am rande eines schneefeldes durch das der aufstieg in die britanniahütte (3030 m. ü. m.) führte. die leute standen förmlich an um sich den letzten wegesabschnitt hoch zur hütte zu kämpfen. da dieses teilstück nicht von schlechten eltern ist war es umso unverständlicher, dort auch japaner im seniorenalter in leichten sawannenhuschern  zu sichten, welche schon beim kleinsten überhängenden felsvorsprung den gag in der hose hatten…

ich machte mich weiter auf meinem weg und stieg über einen äusserst steilen fusspfad durch prächtige blumenwiesen wieder ins tal hinab nach zer meiggeru von wo ich über einen wundervollen wanderweg wieder 500 höhenmetter anstieg zum mattmarkstausee. ausgepowert kurbelte ich dort etwas den umsatz des bergrestaurants an während ich aufs postauto zurück nach saas grund und saas fee wartete.

am abend zog ich mir wiederum im dorfeigenen kino, dieses mal sehr viel besser besucht, til schweigers keinohrhasen rein. ein wirklich amüsanter streifen den ich ehrlich gesagt etwas unterschätzt hatte… 

donnerstag, 17. juli 08

donnerstag sollte im zeichen der rehabilitation und des kräftesammelns stehen. so machte ich es mir im bett recht lange gemütlich, zog mir die verschiedensten serien rein und genoss das süsse nichtstun.

am nachmittag fand im dorf ein kleiner markt statt, bei dem so allerlei feilgeboten wurde, von essbaren köstlichkeiten bis zu gehäckelten söckli für `s neugebohrene war fast alles zu finden. ich gönnte mir ein grosses stück nusstorte  und zog mich nach ein paar proviant einkäufen wieder ins hotel zurück. inzwischen hatte auch der angekündigte regen eingesetzt, so machte ich es mir auf meinem gedeckten balkon gemütlich und studierte nochmals die bevorstehenden routen nach brig und durchs goms.

zum abendessehn liess ich mich mit  crevetten im tempurateig , einem asiatischen rindfleisch gemüse pott und einem tamarindenmousse mit zitronengrassorbet verwöhnen.

freitag, 18. juli 08

der wecker klingelte merklich früher als sonst, da ich mich zeitig auf den weg machen wollte. so packte ich den rest meiner sieben sachen und machte das packet fertig, in welchem ich die nicht mehr benötigten kleider, schuhe und weiss ich nicht was alles nach hause schickte. nach einem letztmals sehr ausgiebigen frühstück nachte ich mich auf den weg zur post, gab mein päckli auf und machte mich strammen schrittes auf hinunter nach saas balen (1483m. ü. m.). von dort stieg der weg wieder an und dies in einer art und weise, dass es mir ab und zu fast möglich gewesen wäre die heidelbeeren im stehen von den stauden zu “fressen”. ich kam mir vor wie eine bergziege auf der sommerweide, den ganzen tag klettern und stundenlang keine menschenseele. als ich dann die bachalpji (2191 m. ü. m.) errreicht hatte sollte mich der höhenweg nach gspon führen. jedoch war schon bald kein weg mehr erkennbar. ich hatte mich auf einer milchalp festgelaufen, wie mir die sennerin freundlich erklärte führe der wanderweg ca. 300 höhenmetter weiter oben durch. so musste ich micht meinem 12-kilo-junior auf dem rücken eine diretissima in angriff nehmen, welche mich durch sumpfiges weideland an einem bach hinauf führte bis ich wieder die rettenden weiss-rot-weissen bergwanderwegmarkierungen erblickte.

so kam ich nun mit zügigem tempo in richtung gspon (1893 m. ü. m.) voran, von wo ich weiter nach visperterminen (1391 m. ü.m.) wanderte. dort angekommen verpflegte ich mich im dorfladen mit süssgetränken und schokoriegeln und machte mich auf den letzten nicht wirklich kurzen tagesabschnitt nach brig. dieser wanderpfad führte mich nochmals durch steile hänge das rhonetal hinauf bis nach rohrberg (1182 m. ü. m.), wo mich ein 90ig jähriger bergführer mit den worten “wandersmann, woher?” stoppte und alles einzelheiten meiner route ganz genau wissen wollte. sichtlich beeindruckt von meinem vorhaben wünschte er mir viel glück und  so machte ich mich auf den scheinbar nicht endenden abstieg nach gamsen (665m. ü. m.). endlich in der talsole angekommen schleppte ich mich mit letzten kräften über glis bis nach brig (678 m. ü. m.), wo ich nach fast zwölf stunden fussmarsch in einer einfachen pension ein günstiges zimmer fand. nach einem nicht wirklich befriedigenden nachtessen in der briger innenstedt legte ich mich bald schlafen um meinen geschundenen körper für das geleistete zu belohnen…

samstag 19. juli 08

auf wackeligen beinen machte ich mich um acht uhr auf den weg hinauf ins goms. meine satt getapten füsse brauchten eine rechte weile bis sie sich wieder so anfühlten, dass ich zügig gegen thermen marschieren konnte. dort angekommen machte ich einen frühstückshalt im dorfladen. von dort aus führte mich der weg durch mörel, vis à vis von riederalp und bettmeralp durch grenglois nach lax. dieser weg entpuppte sich als sehr zeitraubend und nicht sehr befriedigend. deshald entschloss sich der kraeuterling nach dem erreichen von lax (1049 m. ü. m.) die regionale eisenbahn zu unterstützen und einen teilabschnitt seiner tagesetappe auf dem eisenweg zu bestreiten. nach gerusamer reise und einer kleinen zwischenverpflung stieg ich dan in ulrichen aus und machte mich auf das letzte teilstück für diesen tag nach oberwald (1368m. ü. m.) am fusse des grimselpasses. dort quartierte ich mich im hotel furka ein. nachdem ich genügend proviant für die sonntagsetappe eingekauft hatte verbrachte ich einen gemütlichen abend im restaurant des hotels wo ich für fast kein geld aufs beste verköstigt wurde.

sonntag, 20. juli 08

7.00 uhr tagwache, frühstück und punkt 8.00 uhr gings ab in den anstieg zum grimsel. schon schnell zeigte sich, dass der gestrige entscheid, die bahn zu benützen der richtige gewesen war. den der kraeuterling schoss wie eine junge gemse den hang hinauf zum grimselpass (2164m. ü. m.), den er nach zwei stunden und fünf minuten erreicht hatte ( angegebene richtzeit 3.10 Std.!!!).  so hatte ich gut zeit bei einem liter gekühlten mineralwasser auf der passhöhe das wundervolle bergwetter ohne wolken bei strahlendem sonnenschein zu geniessen. es tummelten sich natürlich horden von car-touristen und töfffahrern auf der anhöhe und da ich mit diesem teil der bergtouristen nicht wirklich viel am hut habe machte sich der kraeuterling schon bald auf den nicht endenden abstieg vorbei an hospitz und stausee nach handegg (1401m. ü. m.). dort tankte der wandersmann noch einmal super und nahm den langen weg über guttannen nach innertkirchen (625 m. ü. m.). der nicht enden zu scheinende weg war mühsam und führte oft der strasse entlang, da einige abschnitte des wanderweges unterbrachen waren. so war der kraeuterling wirklich sehr erleichtert als er um 17.15 uhr in innertkircheen einlief. als ich die nahegelegene aareschlucht sah entflammte in mir ein letztes feuer des ergeizes und so nahm ich auch diesen weg noch unter die füsse und konnte so an diesem abend noch durch die aareschlucht wandern, was mir einen erheblichen umweg über den hügel erspahrte. an ende der schlucht beim restaurant angekommen hatte der regen eingesetzt. so kam mir ein werbeschild für zimmer im haus gerade recht. für 35 franken waren einfache kammern mit dusche und wc auf der etage zu mieten- genau das, was ich brauchte um mich von dieser monsterettappe auszuruhen. die wirtin war sichtlich beeindruckt von meiner leistung und sorgte wirklich gut für mich, schaute für ausreichende portionen auf dem teller und interessierte sich stark für meine tour. nachdem mein bäuchlein gut gefüllt war, ich durch die sonntagsmedien auf dem neusten stand gebracht wurde und meine strapazierten gelenke kalt und steiff geworden waren, schleppte ich mich in mein bett, wo ich wie ein stein schlief… 

montag, 21.juli 08

eigentlich war für diesen tag eine kleine erhohlsame etappe geplant von meiringen nach lungern. um 8.00 uhr machte ich mich bei der aareschlucht auf nach meiringen, wo ich mir neuen proviant und verbandmaterial für meine füsse besorgte. nach kurzem frühstück in der migros ( !!! coop war nicht zu finden) machte ich mich auf den weg hinauf in den hasliberg. über die hohfluh (1051m. ü. m.) dem panoramaweg entlang zum brünigpass (1002 m. ü. m.), dort eine kleine einkehr im restaurant wo ich endlich meine feldflasche füllen konnte und mich etwas vom ersten aufstieg ausruhen konnte. da es ja noch früh am tag war und ich in einer stunde schon in lungern sein würde entschloss ich mich zu einer spontanen änderung meiner route und stieg ab gegen obersee am lungersee (689 m. ü. m.). von dort machte ich mich auf zum aufstieg hinauf zum schönbüel (2011 m. ü. m.). dieser aufstieg entpuppte sich zu einem waren mörder, hatte ich doch etwas wenig gegessen , musste ich nun dafür büssen. der aufstieg war lange ( ca 3.5 std.) und steil. am gipfel angekommen entschloss ich mich spontan dort zu übernachten. dieser entscheid sollte sich als einer meiner besten in dieser woche herausstellen, da die wirtin, ein klienes walliser energiebündel wirklich sehr symphatisch und freundlich war. für nur 65 franken konnte man da zu abend essen schladen und frühstücken - was will man da noch mehr…

nach dem essen setzte sich die wirtin mit ihrer tochter noch zu uns, und erzählten aus ihrem leben auf schönbüel, ihrer vergangenheit in hotelküchen und was sie als caterer an open airs und jodlerfesten so erlebten. es war wirklich ein goldiger abend den ich so schnell nicht vergessen werde und mich sicher wieder mal auf diesen berg ziehen wird.

dienstag, 22. juli 08

nachdem ich mich an dem schönen frühstücksbuffet verköstigt hatte, meine rechnung beglichen war und ich mich verabschiedet hatte machte ich mich durch dichten nebel auf den weg zum abstieg nach söhrenberg. der weg führte mich eine kurze zeit über einen steilen schmalen weg entlang einer felswand hinunter zu kuhweiden von welchen ich langsam zur untergrenze des nebels abstieg. bei einem tritt auf einer schiferplatte rutschte ich kurz ab un dspührte ein kurzes reissen im oberschenkel. eigentlich nichts schlimmes, der restliche abstieg sollte aber das seine dazubeitragen, dass ich nicht mehr  wie gewollt weiterwandern konnte und die tour abrechen sollte. ich hatte eine kleine zerrung erwischt, die bei jedem tritt während des absteigenzu schmerzen begann. so trippelte ich  bis nach söhrenberg, machte eine pause, welche mir das kurze gefühl gab weiter machen zu können. also nahm ich das nächste teilstück nach flüehli in den angriff. auf diesem weg musste ich mir jedoch definitiv eingestehen, dass es keinen grossen wert hatte so weiter zu laufen. als stieg ich kurz vor flüehli in den bus welcher mich nach schüpfheim brachte. von dort aus fuhr ich mit der bahn über wohlhusen und langenthal nach herzogenbuchsee. der buss brachte mich anschliessend  vor die haustüre welche ich eigentlich erst zwei tage später öffnen wollte.

Tja, auch wenn der ausgang der tour nicht das war, was ich eigentlich wollte, so hat mir dieser trip wirklich sehr viel gegeben. habe extrem lange beissen müssen bis ich die enttäuschung etwas verdrängen und mich über geleistetes freuen konnte. 

hatte so tolle begegnungen, welche mich meisstens in momenten, in denen ich schwach war, wieder motiviert haben.

wenn man einige tage alleine unterwegs ist und solche weite wege hinter sich lässt spührt man wieder genau was es ist, was einem gut tut, was man wirklich braucht und will.

jeder findet auf anderen wegen zu sich. wichtig ist jedoch nur, dass man diese wege immer wieder geht um sich treu zu bleiben…

Eine Reaktion zu “so weit die füsse tragen…”

  1. Hexers Schwesteram 7. September 2008 um 13:12 Uhr

    dieser elend verregnete tag und der blick auf das breits breit stehende projektwochengepäck gibt mir zeit wieder einmal einen kruezzug durch das internet zu machen. der weg zu kräuterlings page ist nicht annähernd so mühevoll wie der der weg den er in seinem interessanten, amüsanten und beeindruckenden reisebericht beschreibt. mir bleibt nichts als bewunderung für die tolle leistung und das durchhalten in auch nicht sonnigen momenten. aber auch die grösse zu haben, den zeitpunkt zu erkennen, wenn willen und ergeiz nicht mehr genügen - sowie der schlusssatz der nicht fett genug sein kann - verdienen mein “hut ziehen”. mit stolz auf dich schliesse ich die page!

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