erster frühlingstag am kerzers lauf…
kraeuterling 17. März 2008
am letzten samstag war der kraeuterling am volkslauf in kerzers anzutreffen und gab dort sein debut in der laufszene welche voll und ganz auf den star viktor rötlin fokusiert war. dieser einsatz stand jedoch nicht etwa im zeichen von eigeninteressen, sondern ich sollte als blindenführer für einen 16 jährigen jungen vom blindenheim zollikofen agieren.
ich konnte mir bis zu diesem morgen noch nicht recht ausmahlen, was mich erwarten würde. alles, was ich wusste war, das der junge leandro heisst, gut im schuss ist und wir gemeinsam 5 km laufen würden, wie wir dies jedoch machen würden war mir ein kleineres rätsel. schnell wurde dieses unwissen jedoch durch klarheit verdrängt. nachdem wir uns vorgestellt wurden, stellte sich heraus das der vollblinde junge sich bei mir am arm einhängen würde und sich mit einer riesigen portion gottvertrauen von mir durch den parcour leiten lassen würde. nach zwei kurzen einlaufrunden reihten wir uns dann in die gewaltige menge von läufern ein und warteten gebannt auf den startschuss. wir waren beide in etwa gleichem masse nervös jedoch nicht aus den selben beweggründen. für leandro war einzig die distanz die herausforderung, für mich war die tatsache, das sich dieser junge voll und ganz auf mich (einen wildfremden Menschen) verlassen würde etwas, das mich zu tiefst faszinierte.
der startschuss fiel und wir setzten uns langsam in bewegung und namen ein konstantes tempo auf welches wir im startanstieg optimal durchhalten konnten. immer wieder konnten wir läufer überhohlen und hinter uns lassen. um leandro zu motivieren miemte ich nun wähernd des ganzen laufes den “amateur hans juker” und kommentierte im in allen einzelheiten was sich um uns herum abspielte. die steigung war schnell geschafft und der parcour zog sich schön durch den wald bis zum verpflegungsposten bei streckenhälfte. wir waren immer noch mit einem konstanten tempo unterweg und verpflegten uns nun mit einer gehörigen portion wasser, damit uns auch auf der zweiten hälfte nicht plötzlich die “grosse dürre” ereilen konnte. aus einigen seitenwechseln von leandro an meinen armen und etwas japsigen antwortversuchen auf meine motivationsreden konnte ich schliessen, dass der junge alles aus sich heraushohlte was er konnte. schon bald war die marke für den letzten kilometer zu erkennen und die leute am streckenrand , welche uns wie wild anfeuerten, wurden zahlreicher. so passierten wir schon bald diese marke und nahmen den schuss des abfallenden weges mit in die zielgerade wo wir nochmals alles aus uns herausholten und nach sehr guten 32 minuten das ziel durchliefen. nach einigen momenten des lufringens meldete leandro den starken drang nach wasseraufnahme an und wir plünderten den rivellastand im zielgelände bis wir den flüssigkeitspegel wieder auf normalstand gebracht hatten.
für mich war dieser ausflug eine extrem schöne erfahrung die mich zu tiefst beeindruckt hat. mit einem total guten gefühl und grosser zufriedenheit reisste ich mit der gruppe zurück nach zollikofen, während sich leandro alleine (!) auf den heimweg nach brigels machte. mir zeigte dieser tag einmal mehr sehr eindrücklich was menschen alles leisten können und wie sie trotz gewissen beinträchtigungen zu grossen taten fähig sind.
eine tatsache , die wir uns immer wieder vor augen führen sollten…
- outdoor
- 2 Kommentare
sehr bewegend geschrieben mein lieber goethe!
merci pour les news.
Biz